Die Menschen, die zu mir kommen, wissen meistens gar nicht genau, warum. Sie sagen: Tanzkurs, Massageseminar, klingt interessant — und das reicht mir vollkommen, denn ich weiß, dass es da etwas in ihnen gibt, das schon ein bisschen früher wusste, auch wenn sie es noch nicht benennen können. Irgendwo am zweiten oder dritten Tag fällt dann dieser Satz, den ich schon am Vortag kommen sehe: „Das hier ist ja gar kein Tanzkurs. Da passiert wirklich was in mir." Und dann freue ich mich einfach. Tschakka. Wieder einer.
Und was in diesem Moment passiert, ist kein Erschrecken und keine Herausforderung — es ist Neugier. Neugier auf sich selbst. Denn die Erfahrung ist ja schon da, sie ist schon passiert, im Körper, im Kontakt, in der Bewegung, lange bevor dieser Satz fällt. Es war nie ein Durchbrechen von etwas, nie ein Überwinden, nie eine Aufgabe, die man bestehen muss. Es war einfach ein Erleben — und plötzlich merkt jemand: Das bin ja ich. Und das macht Freude. Das macht wirklich Freude.
Dabei fange ich gar nicht mit den großen Themen an — nicht mit Sexualität, nicht mit Transformation, nicht mit dem, was du vielleicht schon kennst, das Internet ist wirklich voll davon. Ich fange viel früher an, viel kleiner, viel leiser, mit dem, was in einem Menschen lebt, bevor er anfängt, darüber nachzudenken. Mit Eros — nicht als Sexualität, sondern als das, was in dir einfach lebt und fließt und eigentlich immer schon da war. Was du vielleicht Blockade nennst, nenne ich einfach: dich. Dein Kopf hat gute Gründe für alles, was er tut — in einer Welt, die so viel von uns verlangt, ist er nicht das Problem, er ist das, was uns trägt, was uns hierher gebracht hat. Nur irgendwann hat er aufgehört, mit dem Rest von dir zu reden, und was ich tue, ist nicht, ihn loszuwerden, sondern die anderen einfach wieder ins Team zu holen — den Körper, die Emotionen — damit sie wieder miteinander sprechen können.
Manchmal lasse ich Menschen dafür eine Karte ziehen, nicht um die Zukunft zu lesen, sondern um einen inneren Moment sichtbar zu machen, denn das Bild, das Wort, der erste Gedanke — plötzlich steht da jemand sich selbst gegenüber, ohne dass ich ihn dahingeführt hätte. Ich erkläre dann gar nichts, ich muss auch nichts erklären. Und wenn mich jemand fragt, nach welcher Methode ich eigentlich arbeite, lächle ich meistens, nicht weil ich keine Antwort hätte, sondern weil die Frage schon eine Annahme trägt, die ich nicht teile — eine Methode hat einen Rahmen, und ein Rahmen hat immer auch ein Limit, und ich begegne jedem Menschen lieber in einer Resonanz, die ich gar nicht planen kann und auch nicht möchte.
Ich habe mit zwölf, dreizehn angefangen zu meditieren, nicht weil mich jemand dazu gebracht hätte, sondern weil ich einfach wusste, dass da etwas ist, und mit vierzehn habe ich mir mein erstes Tarot-Deck gekauft, das mich bis heute begleitet, durch alles. Dann kam das Leben — Arbeit, Vaterrolle, die vielen Jahre, in denen man einfach macht und trägt und funktioniert — und irgendwann merkt man, dass man etwas vergessen hat. Nicht verloren. Nur vergessen. Was ich gerade tue, fühlt sich an wie ein Wiedererinnern, nicht an eine Technik, sondern daran, was ich eigentlich bin — und vielleicht ist genau das der Grund, warum die Menschen, die zu mir kommen, auch etwas in sich wiedererinnern.
Sie gehen alle mit einer leicht geöffneten Tür nach Hause. Und das reicht.
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